Gedanken zu Trinitatis

Segen
Foto: epd bild/Thomas Lohnes

 

Und doch ist er eine Art Abschiedsgeschenk an Euch, das ihr auf jeden Fall mitnehmen sollt, eine Wegzehrung, von der ihr leben sollt, wenn Euch der Alltag wieder umfangen hält. In ihm ist sozusagen alles zusammengefasst, was wir im Gottesdienst erlebt, gehört und gesehen haben.

Aber Segen – was heißt das eigentlich? Auf den ersten Seiten der Bibel segnet Gott Tiere und Menschen mit den Worten: Seid fruchtbar und mehret euch und füllt die Erde! Wo Menschen gesegnet werden, da bekommen sie Anteil an der neues Leben schaffenden Kraft Gottes.
Schon Abraham gilt nicht nur deshalb als gesegnet, weil er einen Sohn gezeugt hat und so der Urvater eines großen Volkes werden sollte. Sondern insbesondere gilt sein Wirken als gesegnet, weil er Frieden schafft zwischen den Menschen. Und Jesus nennt Menschen die Hungrige speisen, die Durstigen zu trinken geben, die Nackte kleiden und Kranke und Gefangene besuchen die „Gesegneten des Herrn“.
Überall dort, liebe Schwestern und Brüder, wo Leben gefördert, Leiden gemindert wird, ist Gottes segnende Kraft am Wirken. Auch wenn dieses Tun von Menschen geleistet wird, die Gott nicht als ihr Lebenszentrum sehen, die ihn vielleicht nicht einmal kennen, wirkt durch ihre Hand die segnende Kraft Gottes. Ich denke da insbesondere an all die Pflegerinnen und Pfleger, an all die Ärzte, die in der immer noch anhaltenden Corona-Krise kranken Menschen helfen und Leben retten. Denn Segen will Leben bewahren und behüten.

Darum gehört beides zusammen: Der Herr segne dich und der Herr behüte dich! Und beides sollen wir in jedem Gottesdienst zugesprochen bekommen und ganz persönlich annehmen. Für dich Schwester in der dritten Sitzreihe und für dich Bruder in der fünften Sitzreihe, erbitte ich den Segen unseres Herrn ganz persönlich, so wie für einen Jeden von Euch. Ich erbitte diese Leben fördernde und behütende Kraft Gottes im Namen Jesu Christi und das, liebe Schwestern und Brüder, das nicht als eine leere, immer wiederkehrende Floskel.
Immer wieder neu soll der Gottesdienst uns auch vermitteln, was uns im zweiten Teil des Segens zugesagt wird: Der Herr lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig! Mit dieser Gewissheit sollen wir nach dem Verklingen des letzten Orgeltons nach Hause gehen: Gott lässt sein Angesicht leuchten über uns – ist das nicht ein wunderbares Bild!

Man sollte wirklich genau Hinhören auf das Wort mit dem jeder von uns aus dem Gottesdienst entlassen wird: Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig!
Ja, jeder Gottesdienst, die Musik, die Gebete und auch jede Predigt, sollen uns die Gewissheit vermitteln: Wir haben einen gnädigen Gott, wir sind angenommen so, wie wir sind, mit all‘ unseren Fehlern, Schwächen und Sünden wie mit unseren Stärken und Erfolgen. Gott wendet sein Angesicht zu uns, nicht, weil wir so gut und tüchtig und fromm sind; da ist sicher bei jedem uns noch „Luft nach oben“. Nein, er strahlt uns an, weil wir seine Kinder, seine Töchter und Söhne sind – nicht anders, als wir unsere Kinder anstrahlen, weil wir sie liebhaben, weil sie ein Teil von uns selbst sind. Und so hat er uns Menschen geschaffen als sein Ebenbild und hat uns ein Stück seiner selbst eingepflanzt, was uns zu Menschen macht und von aller anderen Kreatur unterscheidet.

Nichts brauchen unsere Kinder nötiger zum Leben als unsere Zuneigung und Zuwendung. Und das gilt auch und gerade dann, wenn sie uns Sorgen machen, wenn sie Irrwege einschlagen, sich ganz anders verhalten, als wir es ihnen vermittelt haben und von ihnen erwarten. In solchen Zeiten gilt es ihnen zugewandt zu bleiben und zu verzeihen, wenn es nötig ist – ihnen gnädig zu sein, um in der Sprache meiner Predigt zu bleiben. Nicht anders geht es Gott-Vater mit uns. Dass er uns gnädig, freundlich zugewandt ist, heißt ja nicht: Es ist ihm nicht gleichgültig, wie wir leben. Im Gegenteil, es trennt uns von ihm, wenn wir gegen seinen Willen handeln, wenn wir seine Gebote missachten, wenn wir hart, lieblos, gleichgültig gegenüber unseren Nächsten sind.
Aber Gleiches gilt auch, wenn wir uns selbst nicht wertschätzen, wenn wir uns nicht annehmen so wie uns unser Gott geschaffen hat. Nein, liebe Schwestern und Brüder, so wie die ganze uns umgebende Welt nicht vollkommen ist, so ist auch keiner von uns Mister oder Lady Perfect! Er sei Dir gnädig, unser Gott – darum bitte ich im Segenswort.
Seine Gnade will uns dazu bringen, miteinander sorgsam umzugehen wie auch mit uns selbst gnädig zu sein, unsere Selbstachtung niemals zu verlieren. Nichts anderes meint der dritte Teil unseres Segens: Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden! Denn Frieden meint nicht nur die Abwesenheit von Streit. Dieser Frieden meint, dass unser Leben heil werden soll, dass wir im Einklang leben sollen – im Einklang mit Gottes Willen, im Einklang mit uns selbst, im Einklang mit unseren Nächsten. Wie weit wir oft von diesem Einklang entfernt sind, das brauche ich Euch nicht zu erzählen. Wie oft wir unser Ego herausstellen gegenüber Schwächeren, wie oft wir durch unsere Selbstbezogenheit auch geliebte Menschen verletzen, das wisst Ihr alle selbst.

Aber auch angesichts all unseres Unvermögens wendet Gott sich nicht von uns ab. Darum wiederholt es der Segen noch einmal: Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden! Er, Gott, bleibt uns zugewandt, um uns zum Heil zu verhelfen. Sein guter Geist soll mit uns gehen, damit wir selbst heil werden, um dann Heil bewirken zu können. Er wartet darauf, dass wir uns ihm öffnen, hier im Gottesdienst wie draußen in unserem Alltag.

Und der Friede Gottes, der größer ist als Alles was wir verstehen können, bewahre unser Fühlen, Denken und Handeln in Christus Jesus unseren Herrn - Amen

In diesem Sinne grüßt Sie herzlich!
Prädikant Cornelius Neumann

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