Gedanken zum Pfingstfest

Taube
Foto Herzog

In solch einer Zeit ereignete sich damals das Pfingstwunder.

Es gibt Momente, da fallen Ideen vom Himmel. Da ist plötzlich ganz klar, welches Vorhaben jetzt geboren und durchgeführt wird.  Mit großer Leichtigkeit werden Pläne gemacht. Zielstrebig und hoffnungsvoll werden Menschen gewonnen.

In Momenten, in denen alles stimmt, werden oft große Worte in den Mund genommen. Es wird um diese Worte gerungen oder sie formen sich wie von selbst, sie überzeugen, sie lassen Energien fließen, sie beschreiben Zukunft und Hoffnung. Diese Worte werden sind Schätze und bleibende Zeugen eines Aufbruchs.

In der Bibel sind einige dieser Schätze aufgehoben. Im Neuen Testament werden Verse des Alten Testamentes wieder aufgenommen. Fröhlich und zustimmend werden sie zitiert.

Petrus, Apostel und Anführer der Jerusalemer Urgemeinde, zitiert in einem Moment des Aufbruchs den Propheten Joel, eine Erinnerung wird in ihm wach, eine Vision, die Petrus dazu bringt, mit alten Worten die Zukunft zu beschreiben:

Apg2, 17 „Sein wird’s in den letzten Tagen, spricht GOTT, da will ich von meiner Geistkraft ausgießen auf alle Welt, dass eure Söhne und eure Töchter prophetisch reden, eure jungen Leute Visionen schauen und eure Alten Träume träumen. Auch auf meine Sklaven und auf meine Sklavinnen will ich in jenen Tagen von meiner Geistkraft ausgießen, dass sie prophetisch reden.

Heute heißt es: Wer Visionen hat, muss zum Arzt.

Ich behaupte: Nein, Visionen sind Medizin. Sie helfen durch schwere Zeiten hindurch!

Diese Vision des Petrus ist die Geschichte vom Anfang der christlichen Gemeinden.

Die Heilige Geistkraft wird über Menschen unterschiedlicher Herkunft und verschiedener Glaubensrichtungen ausgegossen – und alle verstehen sich. Das Verstehen dieser Völkergemeinschaft ruft Entsetzen und Spott hervor. Petrus ergreift das Wort, um dies Situation zu klären und erinnert an die Worte des Joel.

Ausgerechnet Petrus redet hier alle auf Augenhöhe an. Er, der später zum Begründer des Papsttums gemacht worden ist. Aber hier, am Anfang des Christentums, lernen wir einen anderen Petrus kennen. Er interpretiert ein Geschehen und entwickelt ein Programm einer christlichen Gemeinschaft, in der alle den gleichen Anteil an Geistkraft und Macht erhalten.

Bei der Ausgießung der Heiligen Geistkraft geht es um die Gestaltung des christlichen Zusammenlebens und den Anfang der Kirche.

Wenn wir heute Kirche denken, haben wir leere Kirchen vor Augen - sie sind ein bildhafter Ausdruck für das Drama. Kirche, sie ist in einer Zwischenzeit: Volkskirche ist nicht mehr und was Neues ist noch nicht.

In dieser Zwischenzeit Plänen und Regeln nicht oberste Priorität zu geben, sondern sich inspirieren zu lassen, dazu ermutigt das Pfingstgeschehen.

Ach, möge die Geistkraft uns erfassen, durch die Kirchen blasen und Platz für Neues machen!

Kirche ist in ihrem eigenen Lockdown. Was fehlt ihr? Welcher Geist sollte in unserer Kirche wehen?

Die Ahnung einer Kirche, in der die Kraft des Heiligen Geistes auf alle ausgegossen wird, sie bringt uns zusammen, so verschieden wir auch sind.

Immer zu Pfingsten wird dieser Text gelesen. Immer wieder wurde er von Frauen und auch Männern gehört, die sich von ihm ermächtigen ließen, ihren Glauben zu verkünden, ihren Alltag zu gestalten.

Mit dem Pfingstwunder fiel die Idee einer christlichen Gemeinschaft vom Himmel, die auf Verständigung und Gleichberechtigung beruht. Diese Verständigung müssen wir suchen zwischen den 5-10 Prozent, die regelmäßig in den Gottesdienst gehen und den 80-90 Prozent, die sich kaum blicken lassen, aber immer noch dazu gehören.

Möge Gottes Geistkraft sie alle bewegen und inspirieren.

Mögen sie alle sich miteinander verständigen über den Weg der Kirche, der damals so verheißungsvoll, aber auch verwirrend begonnen hat.

Die Weite des Himmels im Herzen und ein Herz, das den Himmel offenhält – das wünsche ich Ihnen und uns in diesen ver-rückten Tagen, ein Lichtblick in dieser Zwischenzeit und innere Klarheit, wenn wir nicht wissen, was werden wird.

Manche biblischen Texte rufen dieses Lebensgefühl wach.

Vielleicht auch für Sie, heute oder in den nächsten Tagen und Wochen.

In diesem Sinne grüße ich Sie herzlich!

Pfarrerin Antje Hinze

Vaterunser
Foto Lotz

So wie sich viele auf dem Sterbebett eines sehnlichst wünschen: bleibt zusammen, so wünscht sich Jesus, dass alle mit ihm und miteinander und mit Gott verbunden bleiben.

Die Verbundenheit drückt sich in der Liebe Gottes zu uns und macht uns fähig, andere zu lieben. Die Verbundenheit drückt sich auch in der Erkenntnis aus, dass wir Geschöpfe Gottes sind. Wir sind angewiesen auf gesunde Natur, auf andere Menschen, auf die Liebe und die Rücksicht anderer. Dieses Angewiesensein erfahren wir in diesen Tagen in ganz neuer Weise und erleiden so manche Trennung und spüren: Niemand lebt für sich selbst allein.

Wir sind eins im Glauben. Wir sind uns einig darin, dass wir an Gott, an Jesus und an die Heilige Geistkraft glauben, auch wenn wir das jeweils anders beschreiben. Die Ökumene hat dafür die Formulierung gefunden: „Einheit in der Vielfalt“. Wir sind eins in Gott Das bedeutet nicht, dass wir alle einer Meinung sein müssen. Das bedeutet, dass wir alle in Gott geborgen sind und in dieser Geborgenheit durch die die Vielfalt bereichern lassen können.

Himmelfahrt ist ein Aufbruchsfest!

Jesus bricht auf in den Himmel. Damit wird deutlich, dass er Himmel und Erde ausfüllt.

Dabei sieht er uns nicht von oben an, sondern als unser Bruder, Menschensohn, Menschenkind wie du und ich. Er ist mit uns auf Augenhöhe und verbindet so Himmel und Erde und lässt uns so den Himmel ein Stück näherkommen. Wir stehend strahlend zwischen Himmel und Erde. Dieses Strahlen habe ich kürzlich in den leuchtenden Augen eines alten Menschen gesehen, als er aus seiner Zeit in der jungen Gemeinde erzählte.

Himmelfahrt ist ein Aufbruchsfest!

Wir torkeln nicht aneinander vorbei, sondern machen uns auf und singen und beten miteinander, wo immer wir auch sind. Wir erzählen von unserem Glauben, von der Quelle unseres Lebens und von Erlebnissen, die uns Gott nahegebracht haben.

Himmelfahrt ist ein Mutmachfest!

Für die Würde und die Freiheit der Menschen haben wir 1989 eingestanden, da waren wir uns einig wie danach nie wieder. Jetzt, wo so vieles auf dem Prüfstand steht, lasst uns mit neuem Blick eintreten für die, die einsam sind, für die, die bedroht sind, für die, die auf unsere Hilfe angewiesen sind. Uns segnet, die Gottes Beistand brauchen. Gottes Segen gilt allen Menschen in allen Lebenslagen und spricht uns zu: Gott begleitet uns auf allen unseren Wegen.

Wir können den Glanz Gottes entdecken, den Jesus uns vermittelt hat: Schauen Sie sich mal um, sehen Sie die Menschen an, schauen Sie ihnen in die Augen und sie werden ein Lächeln ernten und entdecken diesen Glanz, heute und vor allem an Tagen, in denen Ihnen trübe ist.

 

Und die Liebe Gottes, die ausstrahlt, wo zwei oder drei in Jesu Namen zusammen sind, ergreife und erleuchte Sie!

Ihre Pfarrerin Antje Hinze

 

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