Gedanken zum Sonntag Rogate

Vaterunser
Grafik: Layer-Stahl

Man würde denken, er erklärt ihnen, wie das geht und ermutigt sie. Aber erst einmal kommen Mahnungen, Drohungen von ihm: Nicht öffentlich beten, um damit groß zu tun, denn die das tun, die haben ihren Lohn schon gehabt. Im stillen Kämmerlein beten, nicht plappern, nicht viele Worte machen. Das klingt doch erstmal abschreckend, jedenfalls nicht gerade wie eine Einladung zum Beten. Beten scheint gar nicht so leicht zu sein.
Übers Beten kann man sich auch trefflich streiten. In der Studentengemeinde gab es zu meiner Zeit einige, die meinten: Man müsse sich auf jedes Gebet gut vorbereiten, einen guten Platz finden, zur Ruhe kommen, Kerze anzünden, sich gerade hinsetzen, würdig vor Gott treten. Andere meinten: Auch wenn man Kopfstand macht in kurzen Hosen kann man beten. Wir sind uns dann irgendwann einig geworden, dass jeder das so machen darf, wie er es für richtig hält. 

Jesus macht ja auch keine großen Vorgaben. Er will nur manches vermeiden. Als ich vor einigen Jahren einmal mit Konfirmanden darüber sprach, was sie beobachtet hatten, wie die Leute beten, da meinte eine: Der eine Mann, der betet immer so laut, da denke ich, der fühlt sich als Vorbeter, als was Besseres. Und jemand anderes sagte: Und die alte Frau, die immer hinten sitzt, die bewegt nur die Lippen, vielleicht kann die das Vaterunser gar nicht auswendig?
Gemeinsam im Gottesdienst beten ist schön. Man fühlt die Gemeinschaft, die Verbundenheit mit den anderen. Aber es birgt auch die Gefahr das Beten anderer zu bewerten oder selbst bewertet zu werden.
Lieber im stillen Kämmerlein beten, rät Jesus. Da gerät man nicht in Gefahr andere zu bewerten und man selbst muss auch keine Angst haben, dass andere meinen, man habe zu leise oder nicht richtig gebetet. Zuhause im stillen Kämmerlein kann man sein, wie man wirklich ist.
Zu Zeit Jesu hielten manche das Beten für eine anspruchsvolle Leistung. Wer lang betete, wer viele eigene, gute Worte fand, hatte etwas geleistet und stand gut da bei Gott. Jesus sagt: Gott weiß, wie es euch geht, ihr braucht nicht viele Worte machen, beten ist keine Leistung.
Der katholische Theologe Fulbert Steffensky erzählte einmal, dass seine Kinder eines Tages meinten, dass immer dasselbe Tischgebet nicht gut genug sei. Man müsse doch aus tiefster Seele mit eigenen Worten immer anders beten. Und so wurden „über der dünnsten Suppe die reichhaltigsten Gebete gesprochen“. Aber das hielt niemand lange durch und die Familie kehrte zum alten Tischgebet zurück. Man muss beim Beten nichts leisten. Man muss nicht unbedingt eigene Worte finden. Man darf sich auch bergen in den Worten, die Jesus den Jüngern dann gibt, das Vaterunser. Beten ist keine Leistung. Beim Beten geht es ums Empfangen.
Luther schrieb in seinem Großen Katechismus: Darum auch Gott haben will, dass du solche Not und Anliegen klagest, nicht dass er’s nicht wisse, sondern dass du dein Herz entzündest, desto stärker und mehr zu begehren, und nur den Mantel weit ausbreitest und auftuest, viel zu empfangen. 

Hilft beten wirklich? Was kann man beim Beten empfangen?
Auch bei Beerdigungen wird gebetet. In einem Gebet gibt es da den Satz: „Gott, vergib, wo wir aneinander schuldig wurden oder etwas versäumt haben.“ 
Einmal kam nach der Beerdigung die Tochter der Verstorbenen zu mir und sagt: Nach diesem Satz in dem Gebet geht es mir jetzt besser. Es war viel zwischen mir und meiner Mutter, was ich Ihnen nicht erzählen konnte und was auch in die Predigt nicht mit hineinsollte, es geht nur meine Mutter und mich was an. Mit diesem Satz ist auch das, was da immer zwischen uns war, zur Sprache gekommen und es ist damit zu einem guten Ende gebracht. Herr, vergib.
Im Gebet steht man im Licht Gottes, sagen manche. Manchmal kann man sich im Licht Gottes auf einmal deutlicher sehen, sich und die eigene Situation. Gott weiß, wie es uns geht. Aber es wird leichter, wenn man es sich von der Seele reden kann. Laut ausgesprochen wird manches klarer, deutlicher.
Man kann eigene Worte nehmen oder sich in den alten Worten des Vaterunsers bergen, Worte, die schon Generationen vor uns gesprochen haben. Nicht alle Bitten sind jeden Tag gleich wichtig. Je nachdem, wie es mir gerade geht, ist es mal die eine und mal die andere, in die ich meine eigenen Sorgen und Ängste, aber auch meine Freude hineinlegen kann.

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

Ich grüße Sie herzlich
Ihre Pfarrerin
Bettina Reinköster

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